Vor einer Weile wurde ich gefragt, ob ich beim Forum für Soziale Bibliotheksarbeit einen Workshop zum Thema Pop-up-Büchereien durchführen könnte. Grund genug, sich einmal genauer mit diesem Thema auseinander zu setzen.

Das Wort Pop-up kommt aus dem Englischen und meint so viel wie „plötzlich auftauchen“. Es wird vielfach verwendet und taucht in unterschiedlichsten Kontexten auf. Nicht immer positiv konnotiert, wenn man an Pop-up-Werbung im Internet denkt.

Auch im Bibliothekskontext denkt man zunächst vielleicht an Pop-up-Bücher. Für die Ausleihe sind sie nicht besonders gut geeignet, aber dafür eignen sie sich zum Vorlesen umso mehr.

Schaut man ins Ausland, so findet man unter dem Begriff Pop-up-Library[1] neben Bücherbussen[2] vor allem Bücherschränke[3]. Oftmals befinden sich diese damit zwar an ungewöhnlichen Orten, aber sind nicht temporär bzw. werden regelmäßig angeboten.

In Deutschland wird Pop-up-Bibliothek oftmals verwendet, wenn es um kurzfristige Nutzung von Räumen („Interimsbibliotheken“) im Kontext von Renovierungen[4], Umzügen[5], Leerstandsmanagement oder Verkürzung von Wartezeiten bis zur Fertigstellung eines Neubaus geht (Berlin[6], Stuttgart[7], München[8]).

Der Workshop sollte sich mit der Frage beschäftigen, wie man Büchereiangebote an Orten macht, an denen niemand mit ihnen rechnet, um so die Bücherei als Einrichtung vor Ort sichtbarer zu machen. Referiert wurde auf „mobile Büchereiarbeit“, die sich vom „Bringedienst“ über Angebote wie „Book-Bikes“[9] weiterentwickelt hat.

Wie genau wird „mobile Büchereiarbeit“ bisher definiert? Einen schönen Überblick gibt eine Seite der Deutschen Digitalen Bibliothek.[10] Der Begriff wird also vor allem mit Fahrbüchereien verbunden. Mit der „Aufsuchenden Büchereiarbeit“ gibt es evenntuell noch einen weiteren Begriff, der sich eignen können. Allerdings wird hiermit vor allem die Medienversorgung von haus- und heimgebundenen Menschen verstanden.[11]

Es wird deutlich, dass es gar nicht so einfach ist dem Angebot einen passenden Namen zu geben. Wie genau könnte ein Begriff aussehen, der folgende Kriterien umfasst?

  • temporäre, flexible Bücherei, die für einen begrenzten Zeitraum an ungewöhnlichen Orten eingerichtet wird.

Flexothek? Momentothek? Pagora?

„Pagora“ ist mein Favorit, denn das Wort ist kurz und verbindet das Buch (page) mit dem öffentlichen Raum (Agora). Es könnte auf eine Lesekultur im urbanen Kontext verweisen.

Dank ChatGPT gibt es jetzt auch ein passendes Logo dafür.


Ein wenig verspielter wäre der Begriff „Bib-Ei“, welches das Überraschungsmoment hervorheben könnte (Logo siehe Beitragsbild).

Die Frage ist, ob es überhaupt einen eigenen Begriff braucht? Angebote werden von Büchereien angeboten und sollen und wollen mit diesem Angebot ja auch ihre eigene Sichtbarkeit/Bekanntheit erhöhen.

Bleiben wir noch einmal im Kontext des Workshops, so geht es vor allem um Angebote, welche in Krankenhäusern entwickelt werden könnten und Patienten an ungewöhnlichen Orten mit Bücherei in Kontakt bringen können. Hier einige Ideen, die mit Hilfe von DALL-E 3 illustriert wurden.

Literarische Schnitzeljagd

QR-Codes auf den Stationen „verstecken“, die zu digitalen Buchausschnitten oder Hörbuchproben führen. Patienten können mit Tablets auf „literarische Schatzsuche“ gehen.

Buch-Yoga / Buchstaben-Physiotherapie

In Zusammenarbeit mit der Physiotherapie-Abteilung: Leichte Übungen, bei denen Patienten Buchstaben oder Wörter mit ihrem Körper formen, kombiniert mit passenden Textausschnitten.

Weiterentwicklung des Bringedienstes

.. als Literaturapotheke

Bücher in einer mobilen „Apotheke“ mit Schubladen. Jede Schublade enthält Bücher zu einem bestimmten Thema oder Genre, ähnlich wie Medikamente für verschiedene Beschwerden.

.. als Literaturinfusionsdienst

Ein Bücherwagen gestaltet wie einen medizinischer Infusionsständer. Die Bücher hängen an „Infusionsschläuchen“ und werden als „literarische Medizin“ präsentiert. Dies sorgt für einen humorvollen Blickfang auf den Stationen.

Im Workshop selbst gab es viele kreative Ansätze zu neuen Orten. Zwei davon möchte ich hier ebenfalls vorstellen:

Parkhaus des Krankenhauses

Bücherbaum im Patientengarten

In diesem Sinne lassen sich noch viele weitere Ideen finden, wie man Bücherei und Menschen miteinander zusammenbringen kann. Viel Spaß beim kreativ werden!


[1] Vgl. nur http://popuplibraries.com

[2] Vgl. nur: https://www.worthingtonlibraries.org/visit/locations/pop-up-library und https://www.jennibick.com/blogs/news/69036419-10-unique-pop-up-libraries

[3] Vgl. nur https://www.jennibick.com/blogs/news/69036419-10-unique-pop-up-libraries

[4] Vgl. nur https://www.berlin.de/stadtbibliothek-friedrichshain-kreuzberg/bibliotheken/familienbibliothek-else-ury/,  https://www.haw-hamburg.de/detail/news/news/show/pop-up-bib-am-campus-berliner-tor/

[5] Vgl. nur https://bensheim.de/pop-up-bibliothek-im-parktheater/

[6] https://www.zlb.de/popup

[7] https://stadtbibliothek-stuttgart.de/aDISWeb/app?service=direct/0/Home/$DirectLink&sp=SOPAC&sp=SWI07000239

[8] https://ru.muenchen.de/2024/218/Pop-up-Bibliothek-bibBox-in-Freimann-eroeffnet-115678

[9] Vgl. nur https://www.potsdam.de/de/veranstaltung/pop-bibliothek-mit-dabei-beim-green-visions-potsdam und https://www.stiftungbuergerfuermuenster.de/projekte-und-engagement/leseleeze/

[10] https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/content/blog/mobile-bibliotheken-von-der-feldbuecherei-zum-buecherbus

[11] https://buecherei-praxishandbuch.de/selbstverstaendnis-profil/soziale-buechereiarbeit/aufsuchende-buechereiarbeit