Das Team der Stadtbüchereien Düsseldorf hat sich zum Ziel gesetzt, KI strategisch und ganzheitlich in die Arbeit zu integrieren.[1] Als Name hat man den schönen Namen BibliotheKI gewählt und die Idee in einem Gastbeitrag auf dem Blog der Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken NRW kurz skizziert. KI wird dort definiert als „als Querschnittsthema, das Technik, Organisation, Weiterbildung und gesellschaftlichen Dialog verbindet“. Es wurden drei Arbeitsgruppen gegründet: KI-Angebote für Kund*innen, Einsatz von KI inhouse und Schulungen für Mitarbeitende.
Grundlegend für die Arbeit ist die KI-Leitlinie, welche die Stadtbücherei[2] erstellt hat. Es ist ein Versuch das Thema in einigen seiner Facetten zu greifen. Vieles liest sich wie ein Haftungsausschluss und wäre eventuell besser in einer Benutzungsordnung aufgehoben. Die Frage die sich stellt ist ja auch, ob KI nicht bereits zum Internet dazugehört? Auch eine bessere Sortierung der jeweiligen Punkte in Bezug auf die adressierte Zielgruppe wäre hilfreich. Beispielweise die Leitlinien für den Umgang mit KI in Bezug auf Kund*innen, interne Prozesse und Zusammenarbeit mit Dienstleistern. Es wird aber sicherlich nicht die letzte Version der Leitlinien bleiben und ist eine gute Grundlage für eine weitere Ausgestaltung solch einer Leitlinie für Bibliotheken.
Insbesondere fällt auf, dass Fragen nach der Verantwortung der Bibliothek bei der Auswahl der Partner in Bezug auf KI ausgeklammert wird. Dabei ist hier analog zu einem Lieferkettengesetz sicherlich zu überlegen, inwieweit Bibliotheken ihre gesellschaftliche Verantwortung gerecht werden können. Auch die Frage, ob es für uns aus beruflicher Sicht akzeptabel ist, wenn Annotationen oder auch Rezensionen, welche per Fremddatenübername geliefert werden, nur noch durch eine KI geschrieben wurden, wird explizit nicht adressiert. Ebenso inwieweit es bei der Medienauswahl bei Dienstleistern noch einen menschlichen Faktor geben sollte.
Wie wollen wir als Bibliotheken mit Medien, welche KI-generiert sind, umgehen? Bei Büchern ist die Verwendung von KI bereits heute nicht gänzliche ausgeschlossen und stellt nicht nur ein urheberrechtliches Problem dar. Was, wenn der erste KI-generierte Kinofilm auf Platz 1 der Kinocharts einsteigt? Bietet man dann im Anschluss als Bibliothek die BluRay zur Ausleihe an? (Literaturtipp hierzu: Matthias Hornschuh – Wir geben uns auf: KI, Kultur und die Entwertung der Wissensarbeit, Carl-Auer Verlag GmbH, 978-3849706135).
Was genau sind die Maßnahmen von BibliothKI? Es wird von einer KI-Woche berichtet und der weiteren Integration von KI-Veranstaltungen in das Veranstaltungsprogramm. Auch von einem Formblatt, welches für jede KI-Veranstaltung oder die Anschaffung eines Tools ausgefüllt wird. Leider bleibt der Beitrag insgesamt recht unkonkret, so dass man wenig zu dem Ausprobierstand „KI:osk“ (super Name!) und den eingesetzten KI-Tools erfährt. Auch der Ausblick ist recht vage. So soll die Robotik-Integration ausgebaut und das Avatar-System weiterentwickelt werden. Interne Abläufe stärker automatisiert und neue Veranstaltungsformate, wie zum Beispiel eine KI-Sprechstunde, anboten werden.
Das soll nicht schmälern, dass die Stadtbücherei Düsseldorf bei diesem Thema auf einem guten Weg ist und für den Bibliotheksbereich Pionierarbeit leistet. Das Thema ist allerdings auch sehr dringlich und gute Beispiele und Leitlinien sind sehr wichtig. Die „Verbandsstrategie 2030“[3] des dbv, in welchem KI als Ziel 5 aufgenommen wurde, kann nur ein erster Baustein sein. Auch Öffentliche Bibliotheken sollten sich bspw. den Forderungen nach Transparenzpflichten[4] anschließen.
Veranstaltungstipp:
Neue Perspektiven auf KI in Bibliotheken 2026 (10. März 2026 von 9:00-18:00):
https://www.bibliotheksverband.de/ki-tagung-2026#Veranstaltungsprogramm
Linktipps:
BA-Arbeit von Elia Davide – „Die Rolle von Künstlicher Intelligenz in öffentlichen Bibliotheken: Chancen und Herausforderungen“:
https://publiscologne.th-koeln.de/frontdoor/deliver/index/docId/2626/file/BA_Elia_Davide.pdf
Warum braucht es KI-Innovation in Bibliotheken? (Blog-Reihe zu KI – Teil 1)
https://fachstelle-oeffentliche-bibliotheken.nrw/2025/09/warum-braucht-es-ki-innovation-in-bibliotheken-blog-reihe-zu-ki-teil-1/
Netzwerk Bibliothek Medienbildung: Seite zu Künstlicher Intelligenz
https://netzwerk-bibliothek.de/de_DE/kuenstliche-intelligenz
Der KI-Campus: Digitale Lernplattform für Künstliche Intelligenz
https://ki-campus.org/
[1] Siehe auch https://fachstelle-oeffentliche-bibliotheken.nrw/2025/11/bibliotheki-ein-ganzheitliches-konzept-fuer-den-ki-einsatz-in-den-stadtbuechereien-duesseldorf-gastbeitrag/
[2] https://www.bib-hub.de/wp-content/uploads/2024/09/KI-Leitlinien-der-Stadtbuechereien-Duesseldorf-2.pdf,
[3] https://www.bibliotheksverband.de/ziele-und-aufgaben
[4] https://www.boersenverein.de/politik-positionen/kuenstliche-intelligenz/ und https://www.tib.eu/fileadmin/Daten/dokumente/die-tib/2025-10-14_Gemeinsame-Erklaerung-zum-Umgang-mit-Kuenstlicher-Intelligenz.pdf
Grafik erstellt mit Canva AI (Promt: „Chancen und Risiken von KI“ am 19.2.26)
